Jahresanfang zwischen Wohlwollen und Wirklichkeit
Die typische Ambivalenz zu Jahresbeginn
Der Jahresanfang hat für mich zwei Seiten.
Einerseits ist da noch das wohlwollende Gefühl aus den Tagen zwischen den Jahren. Ein bisschen Nachsicht.
Der entlastende Gedanke: „Ich darf es ruhiger angehen.”
Und gleichzeitig schiebt sich der Alltag wieder ins Bild.
Termine tauchen auf. Anforderungen melden sich.
Deutlich.
In dieser Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit zu Beginn des neuen Jahres frage ich mich, was ich mir 2026 gönnen möchte, welche Vorhaben ich gern umsetzen will, wie viel ich mir zumuten kann und was sich für mich wirklich stimmig anfühlt, jenseits von Vorsätzen und Selbstoptimierung.
Wenn das „alte System“ anspringt
Ich kenne solche Momente gut: Ein kleiner Auslöser, manchmal einfach die Rückkehr in Routinen, und alte Muster sind sofort präsent: Alles oder nichts. Ganz oder gar nicht.
Dieser innere Automatismus arbeitet schneller als jede gute Absicht. Gerade am Jahresanfang, wenn Erwartungen, Ideale und reale Möglichkeiten aufeinandertreffen, meldet er sich zuverlässig.
Inspiration aus der Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“
Vor ein paar Tagen war ich im Kunstpalast in Düsseldorf. In der Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“ werden Kunstwerke aus über tausend Jahren mit sinnlichen Duftstationen auf einzigartige Weise arrangiert.
Ein Bereich widmet sich Unternehmensdüften. Hotels, Fluggesellschaften und Marken lassen sie gezielt entwickeln, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen und das Verhalten von Menschen zu beeinflussen.
Ihre Wirkung ist unmittelbar. Düfte, Bilder, Klänge und Räume erreichen uns, bevor wir bewusst darüber nachdenken. Sie wirken dort, wo Wahrnehmung, Emotion und Handlungsbereitschaft entstehen, jenseits von Argumenten und guten Gründen.
Wahrnehmung gestalten: Die Brücke zur Selbstwirksamkeit
Was ich daran besonders spannend finde: Diese Einflüsse formen nicht nur Atmosphäre. Sie verändern auch, wie wir Informationen verarbeiten, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und welche Haltungen wir einnehmen. Sie können sogar unsere Entscheidungen beeinflussen, beispielsweise wie lange wir uns an einem Ort aufhalten oder wofür wir uns interessieren.
In der Wissenschaft wird dieser Effekt seit langem als „Priming” untersucht. Bestimmte Reize aktivieren neuronale Netzwerke, die unser Verhalten vorbereiten. Noch bevor wir bewusst darüber nachdenken, entsteht gewissermaßen eine innere Bereitschaft: Wir nehmen bestimmte Dinge eher wahr, fühlen uns auf bestimmte Weise oder neigen zu bestimmten Handlungen.
Wenn ich dies verstehe, kann ich diese Wirkweise bewusst nutzen, statt sie nur zu erdulden. Ich kann meine Umgebung so gestalten, dass sie mich erinnert: an das, was mir wichtig ist, an eine Haltung, die ich einnehmen möchte, an eine Stimmung, an ein Gefühl oder an ein inneres Ziel, das mir Orientierung gibt.
Mögliche Erinnerungshilfen sind:
- ein Bild, das ein positives Gefühl erzeugt und mit meinen Werten im Einklang steht
- ein Duft, der mich fokussiert
- ein Klingelton, der mir Energie und Freude schenkt
- ein bestimmter Ort, der mich zur Entspannung einlädt
Das Gehirn beschäftigt sich dann im Hintergrund weiter mit meinem inneren Leitmotiv. Verbindungen werden gestärkt, Bekanntes wird schneller zugänglich und Entscheidungen erhalten eine Richtung.
Den Jahresanfang bewusst rahmen
Der Jahresanfang ist somit nicht nur ein Aufeinandertreffen von Wohlwollen und Realität, sondern auch ein Raum, in dem ich experimentiere, justiere und erforsche, was mir wirklich entspricht.
Die Ambivalenz bleibt bestehen. Aber sie blockiert mich nicht mehr. Sie wird Teil eines Rahmens, den ich aktiv mitgestalte.
Denn es gibt Räume, über die wir verfügen können: Eindrücke, Strukturen und kleine Rituale, die Orientierung, Ruhe und Impulse schenken.
Letztendlich ist es auch eine Frage der Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung: Überlasse ich mein inneres Erleben äußeren Reizen und fremden Absichten oder entscheide ich selbst, womit sich mein System beschäftigen darf?
Vielleicht möchtest du den Jahresanfang nutzen, um dein Umfeld bewusster wahrzunehmen. Kleine Veränderungen zu erkunden und Impulse zu setzen. Räume zu schaffen, die Klarheit, Stabilität und eine innere Ausrichtung sanft und gleichzeitig wirksam unterstützen. Ich wünsche dir viel Freude dabei!

Hallo, ich bin Barbara Leppelt
Ich blogge über mentale Gesundheit, weil mir ein gesundes Arbeits- und Lernumfeld sowie eine Gesellschaft am Herzen liegen, in der wir uns gegenseitig unterstützen und psychische Gesundheit genauso wichtig nehmen wie körperliche.
Ich begleite Menschen wie dich dabei, den Druck aus Alltag, Studium und Beruf zu nehmen, um wieder mehr Leichtigkeit und Ausgeglichenheit zu finden. Gemeinsam schauen wir, wie du besser für dich sorgen kannst – ohne das Gefühl zu haben, andere im Stich zu lassen.
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